Die Loks „39“ und „40“ – zwei Frankfurter beim Bochumer Verein (1921/22)

Ein schönes Bild der Lok Nr. 39, einer Henschel-Lok des Typs „Frankfurt“. Die Fabriknummer ist leider nicht lesbar, es dürfte sich aber um die 1916 gebaute Fabriknummer 14533 handeln. [Bild: Slg. Chr. Dahm]

Der Bochumer Verein besaß wenigsten zwei Loks des Henschel-Typs „Frankfurt“, einer vierfach gekuppelten Tenderlokomotive, von der laut dampflokomotivarchiv.de zwischen 1912 (Nr. 11397) und 1923 (Nr. 19622) 31 Lokomotiven gebaut worden sind. 22 weitere wurden 1916 an die K.u.k. Heeresbahn geliefert. Ob die zwischen 1939 und 1952 im Lieferverzeichnis ebenfalls als „Frankfurt“ bezeichneten fünf Maschinen der gleichen Bauart entsprachen, ist derzeit nicht bekannt.

Auch beim Bochumer Verein waren wenigstens zwei Maschinen dieses Typs im Einsatz. Belegt sind die Lokomotiven „39“ und „40“, von denen mir jeweils ein Erinnerungsfoto vorliegt. Beide Aufnahmen sind auf den Anfang der 1920er Jahre datiert und mit dem Stichwort „Zechenbahn“ bezeichnet. So wurde seitens der BV der Betriebszweig bezeichnet, der den Verkehr zwischen dem Stahlwerk und den Zechen besorgte. Es liegt also der Verdacht nahe, dass die beiden Loks für den Einsatz auf den Verbindungsstrecken zu den Zechen beschafft worden sind.

Hierzu passt, dass laut dem Lieferbuch der Lokomotivfabrik Henschel zwei Lokomotiven vom Typ „Frankfurt“ mit den Fabriknummern 14533 und 14534 direkt an den Bochumer Verein geliefert worden sind. Die Loks wurden zwar bereits 1916 gebaut, ich vermute aber das die Maschinen erst 1917 in den Bestand des BV übergegangen sind. Grund meiner Annahme ist, dass der BV seine Lokomotiven in der Reihenfolge der Indienststellung durchnummerierte und die Nummer „38“ erst 1917 gebaut worden ist und daher auch erst ab 1917 zum Fuhrpark des BV gehören kann.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich in der Sekundärliteratur Hinweise finden, dass die Loks ursprünglich an die „Hafenbetriebsgesellschaft Wanne-Herne mbH“ geliefert worden und erst danach gelangt seien. Die Quelle für diese Information ist allerdings nicht bekannt. Vielleicht ist es schlicht ein Abschreibefehler… Jedenfalls gibt es derzeit keinen Beleg, dass eine der beiden Loks tatsächlich bei der Hafenbahn eingesetzt worden ist.

Die Zuordnung der Fabriknummern 14533 bzw. 14534 zu den beiden Loknummern „39“ bzw. „40“ ist nicht gesichert, da die Fabrikschilder leider nicht lesbar sind. Einzig bei der Lok Nr. 40 ist bei der letzten Ziffer der Fabriknummer „etwas kantiges“, wie zum Beispiel eine „4“ zu erkennen. Trotzdem scheint die Zuordnung sehr wahrscheinlich. – Im Rahmen eines späteren Nummernsystems sollen zwei Loks vom Typ „Frankfurt“ die Nummern „88“ und „89“ getragen haben. Auch hier ist eine eindeutige Zuordnung (noch) nicht belegt, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden…

 

Leider lässt sich das Fabrikschild nicht klar lesen – die Auflösung gibt es nicht her. Aber die letzte Ziffer sieht nach einer „4“ aus. Es liegt also der Verdacht nahe, dass sich hinter der Loknummer „40“ die Fabriknummer 14534 verbirgt. [Bild: Slg. Chr. Dahm]
Hieraus ergeben sich dann folgende Lebensläufe:

Henschel 14533 / 1916,  Frankfurt,  Dn2t
__.___.1917   an Bochumer Verein „39“                                                 [Loknummer und Lieferjahr vermutet]
__.03.1921    im Einsatz auf der Zechenbahn                                         [Fotobeleg]
__.___.19xx    Umzeichnung in „88“
Vor 1960 +                                                                                                   [dampflokomotivarchiv.de]

Henschel 14534 / 1916,  Frankfurt,  Dn2t
__.___.1917   an Bochumer Verein „40“                                                 [Loknummer und Lieferjahr vermutet]
__.08.1922    im Einsatz auf der Zechenbahn                                         [Fotobeleg]
__.___.19xx   Umzeichnung in „89“
Vor 1960 +                                                                                                   [dampflokomotivarchiv.de]

 

Aus einem ca. 1955 gedruckten Werbeprospekt stammt dieses Betriebsbild einer „Frankfurt“. Der vergleichsweise kurze Kübelzug scheint ganz schön schwer gewesen zu sein, wird der Zug doch von einer weiteren Tenderlok nachgeschoben. [Bild: Slg. Chr. Dahm]

Bei Instagramm findet sich darüber hinaus ein weiteres Bild einer Lok des Typs „Frankfurt“ – leider ohne lesbare Nummer – aus den 1920er Jahren.

 

Literatur

Bei der Erstellung dieses Artikels haben mich Joachim Leitsch und PWP (User „lok-datenbank.de“) mit Anregungen, Informationen und Literatur unterstützt. Herzlichen Dank!
Ein weiterer Dank geht an alle Mitdenker im Historischen Forum bei Drehscheibe online.

Dampflokomotivarchiv.de
Seiten „Fahrzeugportrait Henschel 14533“ und „Fahrzeugportrait Henschel 14534“. In: dampflokomotivarchiv.de. URL: https://www.dampflokomotivarchiv.de/index.php?nav=1415112&lang=1&id=121253&action=portrait und https://www.dampflokomotivarchiv.de/index.php?nav=1415112&lang=1&id=121254&action=portrait  (Abgerufen: 9. Oktober 2021, 09:38 UTC)